Clusterpräsenz auf virtuellem Philosophiekongress ECAP10

23.09.2020
 

Der “10th European Congress of Analytic Philosophy” (ECAP10) hätte ursprünglich vom 24. bis 28. August in Utrecht, Niederlande, stattfinden sollen. Alle 3 Jahre kommen bei diesem Philosophiekongress Forschende zusammen, um sich auszutauschen. In diesem Jahr standen Keynote-Themen wie die philosophische Analyse von Extremismus oder Norm Nudging im Vordergrund. Auch Peter Königs, Post-Doc am Lehr- und Forschungsgebiet Angewandte Ethik, plante in diesem Jahr seine Teilnahme, aufgrund der Pandemie wurde ein physisches Zusammenkommen allerdings unmöglich. Somit fand in diesem Jahr der erste Virtual European Congress of Analytic Philosophy statt - Peter Königs war aus dem Homeoffice dabei und mit einem eigenen Beitrag aus dem Bereich Ethik vertreten: „Intelligent Systems and Responsibility Gaps“. Hierzu haben wir Herrn Königs einige Fragen gestellt, um einen weiteren Einblick in den aktuellen Onlinebetrieb zu bekommen.

  Homeoffice Urheberrecht: Bild: Peter Königs

Wie kann man Ihr Beitragsthema herunterbrechen?

Durch den Einsatz autonomer Systeme - seien es Arbeitsroboter, selbstfahrende Autos, autonome Waffensysteme oder medizinische KI - entstehen neue Fragen der Verantwortungszuschreibung. Dadurch, dass die Handlungen von KI-gesteuerten Systemen zunehmend autonom und unvorhersehbar sind, besteht die Gefahr, dass sich für das, was ein autonomes System tut, letztlich niemand moralisch verantwortlich machen lässt. Gerade wenn ein solches System einen Schaden verursacht, könnten solche 'Verantwortungslücken' problematisch sein. In meinem Vortrag habe ich versucht darzulegen, dass die Angst vor Verantwortungslücken unbegründet ist.

Welche Eindrücke nehmen Sie von der Konferenz mit und wie beurteilen Sie die digitale Umsetzungsstrategie?

Ich finde, man hat wirklich das beste draus gemacht. Die ECAP10 ist eine - für Philosophie-Verhältnisse - sehr große Veranstaltung, und es ist gar nicht so einfach, so etwas kurzfristig auf 'online' umzustellen. Die Konferenz hat auf MS Teams stattgefunden. Jede/r ReferentIn hat vorab eine Präsentation hochgeladen. Wirklich 'live' waren dann nur die Diskussionen ("live Q&A") zu den Präsentationen, die man vorab angeschaut hat. Das hat auch gut funktioniert.

  Logo Urheberrecht: ECAP

Chancen von Onlineveranstaltungen erkennt Peter Königs beispielsweise in der größeren zeitlichen Flexibilität bei der Aufnahme neuer Informationen und der Auseinandersetzung mit den Vorträgen anderer Teilnehmer. Bei der ECAP wurde diese gewährleistet, indem die Präsentationen vorab online eingestellt und somit Raum gegeben wurde, sich im persönlichen Tempo mit den Inhalten zu befassen. Auch ein Online-Diskussionsforum auf MS Teams gehört zu den erwähnenswerten positiven Aspekten. Hierbei konnten zusätzlich zu den live Q&A-Sessions Fragen an die Vortragenden richten.

Der digitale Weg hat Vor- und Nachteile. Der Wegfall einer kosten- und zeitintensiven Anreise lässt sich einerseits natürlich positiv beurteilen, besonders auch in Hinblick auf die Klimabilanz, wenn beispielsweise Flugreisen nun nicht mehr angetreten werden. Dennoch ergiben sich Einbußen in der sozialen Dimension, Gelegenheit zum Smalltalk beim Conference Dinner, das Networking und die Kooperationen die daraus oft entstehen, lassen sich kaum ersetzen. Außerdem bleiben Vernetzung und Feedback zum eigenen wissenschaftlichen Arbeiten auch in Zeiten von Corona sehr wichtig und zumindest auf das Feedback muss mit der Möglichkeit zur Teilnahme aus dem Homeoffice niemand verzichten.