IoP-Knowhow beim „#WirvsVirus“-Hackathon der Bundesregierung

30.03.2020
  Moritz Kröger Urheberrecht: privat

Was macht man, wenn die Wochenendgestaltung eigentlich nur der Aufenthalt in den heimischen vier Wände zulässt oder man nicht vor Ort im medizinischen Einsatz ist? Ganz einfach, man engagiert sich @home im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Wie das aussehen kann, haben unter anderem auch einige Wissenschaftler*innen des Exzellenzclusters „Internet of Production“ (IoP) am Wochenende vom 20. bis 22. März 2020 gezeigt: Gemeinsam mit mehr als 42.000 Menschen ging es um die Aufgabe im bislang wohl größten Hackathon aller Zeiten, nach technischen Lösungen im Kampf gegen Corona zu suchen und diese gemeinsam zu entwickeln.

Einer davon ist Moritz Kröger, er ist als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Lasertechnik (LLT) beschäftigt und befasst sich in der Exzellenzcluster-Forschung viel mit der „Webifizierung“ von Anlagentechnik. „Ich habe kurzfristig erst Freitagmittag von dem Hackathon erfahren und fand die Idee sehr interessant und dachte, da könnte ich ganz gut aushelfen“, so Kröger. Kurzerhand wurde das Wochenende am heimischen PC in Angriff genommen und sich auf das Experiment eingelassen. Gleich taten es ihm beispielsweise die Maschinenbauerin Katrin Schilling vom Werkzeugmaschinenlabor (WZL) oder auch Informatiker Lars Gleim, vom Lehrstuhl Informatik 5 (DBIS), die beide ebenfalls als im Exzellenzcluster an den zahlreichen Forschungsprojekten rund um die Digitalisierung der Produktion von Morgen arbeiten.

 
  Zahlen Urheberrecht: https://wirvsvirushackathon.org/ Der "#WirvsVirus“-Hackathon" in Zahlen

Auch Katrin Schilling bewertet das Projekt als extrem positiv. „Ich hatte mich einfach mal angemeldet und auch gehofft, ob man vielleicht etwas aus dem Cluster-Kontext beitragen könnte. Aber das war bei so vielen Leuten und so vielen Projekten gar nicht so einfach“. Schließlich habe sie sich spontan für die nächstbeste Anfrage, die gepasst hat, gemeldet. „Für eine Kinder-App wurden Unity-Entwickler gesucht und keine halbe Stunde später war man mitten drin und hat Inhalte produziert“, beschreibt Schilling begeistert. „Richtig cool war die allgemeine Stimmung: Das Team hat mir direkt erklärt, worum es ging und die ersten Fragen gestellt. Sonst hat man ja doch oft erst mal eine lange Anlaufphase oder auch so ein Konkurrenz-Denken, das war hier wirklich gar nicht der Fall und so waren alle sehr schnell im produktiven Modus – jeder mit dem, was er so beitragen konnte“.

 
  Lars Gleim Urheberrecht: Screenshot:

Vielfalt der Projekte von den insgesamt 1924 Ideengebern war beeindruckend – und erschwerte die Auswahl

Direkt mit zwei Projekten hatte Lars Gleim das Hackathon-Projekt in Angriff genommen. Zusammen mit Moritz Kröger hatten die beiden sich für einen der zahlreichen Videochats zur Auswahl eines für sie spannenden Projekts entschieden und befanden sich plötzlich mit 40 wildfremden Leuten in einem Call und haben kurzerhand eine Software gemeinsam geplant. „Mein eigener Forschungsfokus liegt im Bereich interorganisationeller Datenaustausch. Von daher passte das theoretisch ziemlich gut zu dem Projekt, an dem Moritz und ich gemeinsam gearbeitet haben“, erklärt Gleim. Tatsächlich ging es hier um eine simplere Entwicklung einer zentral betriebenen Plattformlösung (also real einer einzelnen Webapplikation), die den Informationsfluss zwischen Ärzten, Teststellen, Gesundheitsämtern und anderen Instituten (zB RKI) beschleunigen soll. So sollten jederzeit bundeweit aktuelle Informationen in Echtzeit zur Verfügung stehen. „Im Prinzip dasselbe, was das RKI aktuell mit DEMIS (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/IfSG/DEMIS/DEMIS_node.html) auch selbst zu implementieren versucht“, erklärt Gleim die entwickelte Software-Lösung. Während Motiz Kröger sich konkret an der Softwareverteilung in Google Cloud und das Bauen der einzelnen Teilservices gearbeitet hat, weil das recht nah an seinem Forschungsthema dran war, hat sich Lars Gleim hauptsächlich mit der Softwarearchitektur, der Organisation und der Entwicklung des 1. User Interfaces beschäftigt. „Aber klar war das Handling von fast 100 wildfremden Leuten die man erst seit 3 Stunden kennt, eine Challenge, aber am Ende ist mit dem „Infektions Melde und Informations System IMIS“ (https://devpost.com/software/imis-infektions-melde-und-informations-system) ein schönes Ergebnis rausgekommen“, resümiert er.

Und gleich noch ein zweites, eigenes Projekt hat Gleim an diesem Wochenende beigesteuert. „Ich habe ein einfaches Tool entwickelt, mit dem man am PC lernt, sich nicht ins Gesicht zu fassen. Immer wenn man die Hände über die Schulterlinie hebt, gibt die Software ein akustisches Alarmsignal und konditioniert in Echtzeit das Verhalten, das sich nach einiger Zeit sogar auch auf den Alltag überträgt, wenn man also nicht vor dem Bildschirm sitzt. Klingt simpel – das Knowhow dahinter, hat es jedoch in sich, denn hier waren Neuronale Netzte am Werk, die die Umsetzung innerhalb der kurzen Zeit ermöglichten. Via Live-Demo kann jeder sogar über seinen Browser über den folgenden Link gleich selber ausprobieren: Demo: https://lgleim.github.io/handsOffMyFace/

 
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Wie geht es nun weiter?

Von Seiten des Ministeriums heißt es dazu, „…der Hackathon ist ein Startpunkt für einen kontinuierlichen Beteiligungsprozess zur Entwicklung gemeinsamer Lösungen, damit wir die große Herausforderung durch Covid-19 als Gesellschaft meistern…“

Und auch für die Mitarbeiter*innen beim IoP war dies sicherlich nur der Startschuss, „Die Ergebnisse und bisher entwickelten Lösungen, sind in den allermeisten Fällen natürlich noch sehr ausbaubar“, so Gleim, was auch der Ausrichtung der Bundesregierung entspricht, das sich erhofft, dass in den kommenden Wochen und Monaten die Projekte entsprechend weiterbearbeitet werden. „Genau dafür werden wir gemeinsam ein digitales Unterstützungsprogramm starten, damit Eure Lösungen maximale Wirkung in der Corona Krise entfalten können“, ist auf der Webseite des Hackathons der Bundesregierung zu lesen.

Alle Projekte und auch der in diesen Tagen ausstehende Jury-Entscheid zum Hackathon der Bundesregierung nachzulesen unter:

https://wirvsvirushackathon.org/