Deutschlands beste Universitäten
Die RWTH Aachen und die Uni Mannheim sind die beliebtesten Hochschulen bei Personalchefs, zeigt das exklusive Uni-Ranking der WirtschaftsWoche. Was andere Universitäten von den Spitzenreitern lernen können.
Bis zum Ende der Schulzeit verläuft das Leben eines jungen Menschen relativ simpel und meist geradlinig. Sicher, es gibt die Pubertät oder den ersten Liebeskummer, Ärger mit strengen Lehrern oder unliebsamen Mitschülern. Aber zumindest um berufliche Fragen müssen sich Heranwachsende zunächst keine Gedanken machen – was sich mit dem Abitur schlagartig ändert.
Wo viel Zukunft, da auch viel Unsicherheit. In der Situation stecken demnächst viele Abiturienten, wenn die Freude über die erlangte Hochschulreife langsam nachlässt und sich die Frage nach dem nächsten Schritt stellt.
Für diejenigen, die sich für eine Hochschulausbildung entscheiden, ist die Wahl der Universität wegweisend und alles andere als einfach: Knapp 420 Hochschulen gibt es in Deutschland, mit insgesamt etwa 10 000 Erststudiengängen im Angebot.
Aber welches Fach ist das richtige? Welche Uni die beste? Welche Fähigkeiten sollte man erwerben, um später Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben? Antworten liefert das exklusive Uni-Ranking, das die WirtschaftsWoche in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft Universum Communications und dem Recruiting-Dienstleister Access KellyOCG erstellt.
Was für Wirtschaftswissenschaftler zählt
Andere Ranglisten befragen Studierende nach ihren Erfahrungen im Hörsaal, bewerten die wissenschaftliche Qualität der Hochschule oder die Veröffentlichungen der Professoren. Alles nicht falsch – aber für viele Abiturienten und Absolventen sind solche Kriterien zweitrangig.
Wer keine wissenschaftliche Karriere anstrebt oder nach dem Studium nicht promovieren möchte, für den ist es weniger relevant, ob ein Professor seinen letzten Aufsatz in einem renommierten Fachmagazin unterbringen konnte oder wie das Essen in der Mensa schmeckt. Wer nach dem Studium einen Job in der Wirtschaft finden will, für den zählen andere Dinge – etwa ob die Lehrinhalte aktuell sind oder die Uni gut mit der Wirtschaft vernetzt ist.
Das Ranking der WirtschaftsWoche legt den Schwerpunkt bewusst auf Praxisrelevanz. Und deshalb ging Anfang des Jahres ein Fragebogen an knapp 7000 Personalchefs der größten deutschen Unternehmen – denn diese entscheiden, von welcher Hochschule bevorzugt Absolventen eingestellt werden
Wer hat, dem wird gegeben
Alle Personaler beantworteten dieselben Fragen: Von welchen Universitäten und Fachhochschulen kommen die besten Absolventen? Bevorzugen Sie bei Bewerbern die neuen Bachelor- oder Master-Abschlüsse? Sind Studierende von privaten Unis besser als jene von staatlichen?
Die Antworten geben nicht nur Aufschluss über die besten Hochschulen Deutschlands. Sie zeigen auch, was die renommiertesten Unis besser machen – und was andere daraus lernen können.
An der Spitze hat sich im Vergleich zu 2011 nichts geändert: Dort steht erneut die RWTH Aachen. Wie schon in den beiden vergangenen Jahren belegt Aachen als einzige deutsche Hochschule gleich in vier Kategorien den ersten Platz: bei Elektrotechnik, Maschinenbau, Naturwissenschaften und im Wirtschaftsingenieurwesen.
Und auch im Fach Informatik kann sich RWTH- Rektor Ernst Schmachtenberg über gute Nachrichten freuen: Dort kletterte die Uni im Vorjahresvergleich vom dritten auf den zweiten Platz. Lediglich das Karlsruher Institut für Technologie, ein Zusammenschluss der ehemaligen Universität mit dem örtlichen Forschungszentrum, liegt vor der RWTH.
Schon seit Langem hat die Technische Hochschule in Aachen einen exzellenten Ruf im Bereich Ingenieurwesen – umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in solchen Ranglisten vorne liegt.
Der Matthäus-Effekt
Der US-Soziologe Robert Merton fragte sich bereits in den Siebzigerjahren, warum bestimmte Wissenschaftler häufiger zitiert werden als andere. Dabei stellte er fest: Je prominenter ein Forscher war, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er von anderen zitiert wurde – was seinen Ruhm wiederum weiter mehrte.
Merton bezeichnete das als „Matthäus-Effekt“, in Anlehnung an das gleichnamige Evangelium. Darin vertraut ein Mann seinen drei Dienern Teile seines Vermögens an. Zwei der Angestellten gelingt es, die Summe zu verdoppeln, woraufhin ihr Herr sie belohnt. Ein Diener versteckt das Geld hingegen in der Erde, aus Angst, es zu verlieren.
Die Folge: Er wird von seinem Herrn vom Hof gejagt. „Denn wer da hat, dem wird gegeben“, heißt es in der Bibel. Ein Phänomen, das sich heute in nahezu allen Lebensbereichen beobachten lässt.
Gute Schüler werden stärker gefördert, Top-Manager müssen sich über ihre berufliche Zukunft in der Regel kaum noch sorgen. Und Hochschulen, die einmal auf den vorderen Plätzen des Uni-Rankings landen, haben einerseits auch bessere Chancen, wieder genannt zu werden.
Aufstieg der Mannheimer
Andererseits tun die renommiertesten Hochschulen viel dafür, die Spitzenplätze zu verteidigen. RWTH-Rektor Schmachtenberg setzt vor allem auf einen regen Austausch zwischen Natur- und Ingenieurwissenschaften. Im Rahmen der Exzellenzinitiative werden auch solche Projekte gefördert, die sich noch in der Ideen- und Startphase befinden.
Mit dem benachbarten Forschungszentrum Jülich tüfteln die Studierende etwa an Lösungen für eine effizientere Energiegewinnung, für die Früherkennung und Behandlung von neurologischen Erkrankungen. Oder sie entwickeln Prozessoren für Computer.
Der Siemens-Konzern stellte der Hochschule Ende 2011 sechs Millionen Euro zur Verfügung, um Methoden und Verfahren zur umweltfreundlichen Gewinnung seltener Rohstoffe zu entwickeln.
Von all diesen Initiativen profitieren auch die Absolventen: Wer sich durch das anspruchsvolle Studium an der RWTH gequält hat und sich als Elektro- und Wirtschaftsingenieur oder Maschinenbauer in einem Unternehmen bewirbt, hat im Bewerbungsverfahren wesentlich bessere Chancen als ein Bewerber, der seinen Abschluss an einer No-Name-Uni machte.
Mannheim klettert auch in anderen Fächern
Doch das Uni-Ranking zeigt auch: Es ist möglich, sich in den Ranglisten zu verbessern. Hans-Wolfgang Arndt kann das bestätigen. Der 67-Jährige ist bereits seit 2001 Rektor der Universität Mannheim – und in dieser Funktion einer der erfolgsverwöhntesten deutschen Hochschulmanager überhaupt.
Die Uni steht in den Fächern BWL und VWL seit Jahren unangefochten auf dem ersten Platz und kann diesen Platz auch im aktuellen Ranking verteidigen.
Arndt gibt seinen Posten im kommenden September nach elf Jahren ab und geht in den Ruhestand. Er verabschiedet sich mit einem Erfolgserlebnis beim Uni-Ranking. Denn Mannheim stößt in der aktuellen Rangliste in zwei Fächern in die Top Ten vor, wo die Hochschule im Vorjahr noch nicht vertreten war:
Im Bereich Informatik klettert Mannheim vom elften auf den achten Rang, in Jura ging es von Rang zwölf auf acht. Alles andere als ein Zufall.
Arndt hat sich in den vergangenen Jahren darauf konzentriert, neben der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät auch die anderen Fächer nach vorne zu bringen. Was er heute „Profilschärfung“ nennt, war in Wahrheit eine kleine Revolution – strukturell wie inhaltlich.
Bachelor-Absolventen in der Kritik
Der Hochschulchef nahm sich vor, alle Fächer eng mit den Wirtschaftswissenschaften zu verzahnen – unter anderem auch Mathematik und Informatik. Die Studierenden sollten lernen, wirtschaftliche Herausforderungen mit deren Methoden zu lösen. „Ob Marketingkampagnen, Versicherungstarife oder Produktionsplanung – ohne Mathematik und Informatik können viele Unternehmen heute nicht mehr existieren“, sagt Arndt.
Außerdem bietet die juristische Fakultät in Kooperation mit der BWL-Fakultät den Bachelor-Studiengang Unternehmensjurist an. Angehende Justiziare sollen sich dort auf eine Karriere in Konzernen vorbereiten.
Bevor Arndt sich in den Ruhestand verabschiedet, legt er den Fokus der Uni Mannheim in diesem Jahr vor allem auf Internationalisierung. Mehr als neun Millionen Euro werden investiert, die Austauschprogramme mit Partneruniversitäten weltweit ausgebaut.
Wie sehr ein Studium in Mannheim den Weg ins Management ebnet, zeigte im vergangenen Jahr eine Auswertung des Business-Netzwerks Xing. Mehr als 4,7 Millionen Fach- und Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben dort bislang Angaben zu ihrem Werdegang gemacht.
Xing wollte wissen, welche Universitäten am häufigsten in den Führungsriegen deutscher Unternehmen vertreten sind. Und siehe da: Die meisten Top-Manager brachte demnach die Uni Mannheim hervor.
Vernichtendes Urteil über Bachelor-Absolventen
Doch Arndt geht es nicht nur darum, die Absolventen mit einem guten Abschluss fit für die Karriere zu machen: „Wir wollen erfahrene und reife Persönlichkeiten finden“, sagt er. Damit will die Hochschule verhindern, den Unternehmen unreife Absolventen zu liefern. Ein Problem, das bei der jüngsten Befragung für das Hochschulranking viele Personaler bemängeln.
Vor allem über Bachelor-Absolventen fällt die Umfrage ein vernichtendes Urteil: 62 Prozent der Befragten kritisierten deren mangelnde praktische Erfahrung, 49 Prozent monierten fehlende Reife der Absolventen.
Und gerade wenn es um den ersten Job geht, sind solche Makel ein enormes Hindernis auf dem weiteren Lebensweg: 91 Prozent der Personalchefs achten vor allem auf die Persönlichkeit der Bewerber, 87 Prozent sind praktische Erfahrungen der Kandidaten wichtig.
Gute Jobchancen
Auch im theoretischen Bereich besteht in den Bachelor-Studiengängen offenbar noch erheblicher Nachholbedarf: 36 Prozent diagnostizierten fehlendes Fachwissen der jungen Leute. „Viele haben noch nie einen Text von 50 Seiten geschrieben oder sich in irgendetwas hineinvertieft“, meinte einer der befragten Personaler.
„Sie haben zu wenig Zeit, um echte praktische Erfahrung zu sammeln“, beklagte ein anderer. „Die Allgemeinbildung ist teilweise sehr begrenzt“, so ein dritter.
Kein Wunder, dass die Jobs für potenzielle High Potentials, etwa als Berater oder Projektmanager, bevorzugt an Bewerber gehen, die einen Master-Abschluss haben.
Immerhin: Die aktuellen Jobaussichten sehen die Personalchefs durchweg positiv. Knapp 90 Prozent bewerten die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt optimistisch – im Jahr 2010 sagten das nur 39 Prozent. Die Chancen stehen also gut, dass sich ein guter Abschluss definitiv lohnt.
Studium garantiert Jobs
Dass ein Studium immer noch die beste Versicherung gegen Erwerbslosigkeit ist, konnte kürzlich auch Kolja Briedis vom Hochschul-Informations-System (HIS) beweisen. Der Wissenschaftler befragte für eine aktuelle Studie 10 000 Absolventen, die im Krisenjahr 2009 ihr Studium erfolgreich beendeten, ob sie seitdem einen Job ergattern konnten.
Ergebnis: Obwohl die Absolventen zu einer Zeit wirtschaftlicher Flaute auf den Arbeitsmarkt drängten, waren von den Hochschulabsolventen mit den traditionellen Abschlüssen Diplom, Magister und Staatsexamen gerade mal vier Prozent arbeitslos. Ein eindeutiges Plädoyer für ein Hochschulstudium – ganz gleich, für welche Uni die Abiturienten sich entscheiden.